Forderungen des LMR

Forderungen zum Thema #MehrMusikInDerSchule

Musikunterricht fehlt in den Grundschulen – Landesmusikrat Hessen fordert Maßnahmen und verabschiedet Landesforderungspapier

Forderungspapier des Landesmusikrates Hessen zum Download

Pressemitteilung des Landesmusikrates Hessen vom 27. Oktober 2020

Musik darf keinem Kind vorenthalten bleiben - Musik stärkt Kreativität und Selbstwirksamkeit. Wie eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung belegt, gibt es jedoch an jeder dritten öffentlichen Grundschule in Hessen keine Musiklehrkräfte. Daher richtet der Landesmusikrat Hessen e.V. mit der Verabschiedung des Landesforderungspapieres einen eindringlichen Appell an die Politik und alle Beteiligten, die musikalische Grundversorgung an hessischen Grundschulen sicherzustellen.

Musik ist ein qualifizierender Teil der Allgemeinbildung und damit unverzichtbar. Im Idealfall bilden das gemeinsame Singen und Musizieren innerhalb der Familie die Grundlage für eine lebenslange Beschäftigung mit Musik. Die vom Deutschen Musikrat, der Konferenz der Landesmusikräte und der Bertelsmann Stiftung beauftragte Studie zur Situation des Musikunterrichtes in der Grundschule legt zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland valides Zahlenmaterial vor und zeigt die bundesweite Unterversorgung im Bereich der musikalischen Bildung in der Grundschule.

Deshalb fordern der Deutsche Musikrat und die Landesmusikräte gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern, den Eltern, den Lehrerinnen und Lehrern und den Fachverbänden von den Länderparlamenten, den Landesregierungen und den kommunalen Spitzenverbänden Maßnahmen zur Beseitigung dieser gravierenden Defizite:

Forderungspapier des Deutschen Musikrates zum Download


Positionspapier des Landesmusikrates Hessen e. V.

Zum Download


Konferenz der Landesmusikräte gegen politisch rechtsextreme Musik

Im Rahmen der Konferenz der Landesmusikräte und des Präsidiums des Deutschen Musikrats diskutierten die  Präsidenten und Geschäftsführer der Musikräte auch das Erstarken rechtsextremer politischer Musik in den vergangenen Jahren. Der Landesmusikrat Sachsen-Anhalt und der Bayerische Musikrat hatten das Thema in die Konferenz eingebracht.

Karin Rawe, Generalsekretärin des Bayerischen Musikrats, erläuterte, dass sich die aktuelle Musik der rechtsextremen Szene stilistisch vielfältig entwickelt hat. Zum ursprünglichen Rechtsrock seien etwa rechtsextreme Liedermacher, Nazi-Hip-Hop oder Rap hinzu gekommen. Großveranstaltungen würden oft nicht als Konzert angemeldet, sondern als politische Kundgebung mit musikalischer Umrahmung, da eine politische Veranstaltung zunächst einmal unter die Versammlungsfreiheit falle. Die  Erlöse würden u. a. für die Infrastruktur der Szene verwendet, auch für Rechtsanwaltshonorare und in den letzten Jahren vermehrt für Immobilienkäufe.

Im weiteren Verlauf nannte Karin Rawe einzelne Beispiele aus verschiedenen Ländern zu Veranstaltungen und Tagungen, die sich mit diesem Thema beschäftigt hatten. So gab es Anfang 2018 eine bemerkenswerte Tagung der Hochschule für Musik und Theater Rostock vom 19. und 20. Januar 2018 zu den Entwicklungen von Musik und Medien im Rechtsextremismus. Und der Landesmusikrat NRW veranstaltete am 3. Oktober desselben Jahres eine Tagung zu „Musik in sozialer Verantwortung“ in Essen, bei der Martina Hannack, Vorsitzende der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, über Musik als Vehikel extremistischer Ideologien referierte. Sie präsentierte u.a. Texte von links- und rechtsextremen Rocksongs, ohne die Bands zu nennen, und bat die Besucher, zu entscheiden, welche der linksextreme und welche der rechtsextreme Text sei – kaum jemand konnte eine sichere Zuordnung treffen.

In der anschließenden Diskussion wies auch Hermann Wilske, Präsident des Landesmusikrats Baden-Württemberg, der mehrere Seminare zu politisch extremer Musik gehalten hat, auf Ähnlichkeiten zwischen linksextremer und rechtsextremer Musik hin und warnte davor, den Blickwinkel einseitig auf eine Seite zu richten. Die Konferenzmitglieder waren sich einig, dass musikverbandliche Maßnahmen gegen politisch extreme Musik wichtig, aber schwer zu konzipieren sind. Grundlegende politische Bildung ist hierzu dringend notwendig. Neben anderen könnten die Landeszentralen für politische Bildung zu Partnern der Landesmusikräte werden. In einigen Ländern sind sie es schon.

Dr. Thomas Goppel, Präsident des Bayerischen Musikrates, betonte, wie wichtig es sei, dass auch die Musikräte sich dieses Themas annähmen, um eine Instrumentalisierung und Radikalisierung gerade junger Menschen durch den Missbrauch von Musik zu verhindern. Konsens der Konferenz bestand darin, so fasste Ulrike Liedtke, Vorsitzende der Konferenz, zusammen, dass  jede Instrumentalisierung von Musik für politisch extreme Zwecke nicht zu tolerieren ist. Die Konferenz der Landesmusikräte stehe in der Pflicht, Haltung zu zeigen und dem Missbrauch von Musik öffentlich entgegen zu wirken. Die Konferenz der Landesmusikräte und der Deutsche Musikrat erwägen, das Thema 'Musik machen – Haltung zeigen' zum Motto des Tags der Musik 2019 zu erklären.

rvz