Musikschulen sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil unserer Städte.
Sie sind präsent, sie sind bekannt, sie gelten mit ihren Angeboten für Kinder und Jugendliche als „Kultur für alle“. Und doch: Laut einer bundesweiten Erhebung haben zwei Drittel der Bevölkerung noch nie einen Musik- oder Gesangsunterricht an einer Musikschule besucht. Nur jeder Sechste war in den letzten drei Jahren aktiv dabei.
Überraschend? Vielleicht. Erschreckend? Definitiv.
Und trotzdem: Wer einmal den Schritt in die Öffentliche Musikschule wagt, entdeckt mehr als Noten und Melodien. Musik- und Gesangsunterricht weckt Kreativität, inspiriert zu weiteren künstlerischen Aktivitäten und macht neugierig auf Konzerte, Theater und Museen. Musikschulen haben also Potenzial – enormes Potenzial – für das Individuum und die Gesellschaft. Aber dieses Potenzial wird längst nicht ausgeschöpft.
Denn öffentliche Musikschulen stehen aktuell vor vielen Herausforderungen: Knappe Budgets, steigende Ausgaben, Kürzungen bei den sogenannten freiwilligen Leistungen, sich ständig wandelnde musikalische Interessen und schließlich auch das Herrenberg-Urteil verlangen neue Antworten auf die entscheidende Frage: Genügt eine Sicherung des
Status quo oder braucht es eine Neuaufstellung der Musikschulen als Motor kommunaler Musikpolitik?
Dr. Thomas Renz vom Berliner Institut für Kulturelle Teilhabeforschung nimmt uns mit auf eine spannende Reise durch aktuelle Zahlen und Entwicklungen: Wer nutzt Musikschulen wirklich? Welche kulturellen Gewohnheiten gehen damit einher? Und vor allem: Welche Strategien könnten Musikschulen verfolgen, um mehr Menschen zu erreichen und
gleichzeitig ihre Qualität zu bewahren?
Dabei geht es um mehr als Unterricht: Um das Hinterfragen des eigenen künstlerischen Kanons, um neue Vermittlungsformate, um echte Kooperationen mit öffentlichen, zivilgesellschaftlichen und privaten Akteuren – und manchmal auch um klare Abgrenzungen zu diesen. Es geht darum, aus der Musikschule ein lebendiges Zentrum kommunaler Musikkultur und kultureller Bildung zu machen, das inspiriert, verbindet – und vielleicht auch provoziert. Und dass darüber hinaus als Faktor für eine
quartiersbezogene interkulturelle und intergenerationelle soziale Zusammenarbeit wirksam wird.
Eine Veranstaltung für alle, die neugierig sind, kritisch denken und wissen wollen: Können Musikschulen wirklich mehr als Unterricht? Können sie Kultur für alle sein – oder bleiben sie ein exklusiver Club? Dr. Thomas Renz liefert die Fakten, die Denkanstöße und die provokanten Fragen.
Wann: Mittwoch, 10. Juni 2026, 18 Uhr
Wo: Kulturforum der Wiesbadener Musik- und Kunstschule, Schillerplatz 1-2, 65185 Wiesbaden
Um Anmeldung wird gebeten bis zum 31. Mai 2026 an projektbuero-smh(at)musikschulen-hessen.de







